AGiD finanziert die Bibliothek weiter mit

Liebe Freunde der Rudolf Steiner Bibliothek,

die Anthroposophische Gesellschaft Stuttgart, das Arbeitszentrum Stuttgart und Anthroposophische Gesellschaft in Deutschland (AGiD) tragen die Kosten der Zentralbibliothek der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland („Rudolf Steiner Bibliothek“) weiterhin gemeinsam.

Seit 15. August hatten wir mit unserem Antrag (download am Seitenende) einen solchen Beschluss erstrebt, dem jetzt weitgehend und freundlich entsprochen wurde.

Wir danken ganz herzlich für die rund 170 Rückmeldungen.
Einige Menschen haben uns ihre Gedanken zur Bibliothek mitgeteilt und teils durch eigenständige Unterstützerschreiben an die AGiD ergänzt. Diese finden Sie, soweit für die Veröffentlichung autorisiert, am Seitenende.
Herzlichen Dank an Prof. Dr. Klaus-Dieter Beier, Anna-Katharina Dehmelt, Dr. Karl-Martin Dietz, Prof. Dr. Roland Halfen, Kai Hansen, Dr. Armin Husemann, Barbara Messmer, Willi Nikulski, Martina Maria Sam, Hartwig Schiller, Meinhard Simon, Inge Sperr und Irene Trenkel. Aus ihren Schreiben und weiteren Rückmeldungen speist sich die folgende Zusammenschau:

Hat die Stuttgarter Bibliothek überregional überhaupt eine Bedeutung?
Unbedingt! Der überregional herausragende und für Deutschland konkurrenzlose Status der Stuttgarter Bibliothek besteht in der Tatsache, dass es bundesweit keine vergleichbare Bibliothek gibt, die einen solch umfassenden Bestand an anthroposophischer Primär- und Sekundärliteratur beherbergt (über 36.000 Medien) und zusammen mit entsprechender Beratung zur Ausleihe kontinuierlich verfügbar macht. Der Zugang zum literarischen Feld der Anthroposophie wird durch die vorhandene umfangreiche Sekundärliteratur erweitert und durch ein weites Feld philosophischer, fachbezogener und schöngeistiger Literatur vielseitig ergänzt. Dadurch steht für Forschungsvorhaben ein einmalig umfangreicher, unersetzbarer Bestand historischen wie gegenwärtigen Quellenmaterials zur Verfügung. Dieser Medien-Fundus sollte erhalten, gepflegt und weiter erschlossen werden. Dies wird als eine Aufgabe der eine Aufgabe der Anthroposophischen Gesellschaft angesehen.
Die Bibliothek ist ein wichtiges Arbeitsinstrument für alle diejenigen, die mit dem Werk Rudolf Steiners und dessen Früchten arbeiten wollen. Es gibt sonst keinen Ort, wo zuverlässig alle diesbezüglichen Publikationen gesammelt werden, nach ihnen elektronisch gesucht werden kann und sie auch per Fernleihe ausgeliehen werden können.
Der Stuttgarter Onlinekatalog ist mit seinen umfassenden Funktionen ein unentbehrliches Recherchetool. Die Erschließung der Zeitschriftenartikel ist für Forschungen nicht hoch genug zu schätzen. Denn erst dadurch wird die Arbeit vieler anthroposophischer Autoren der letzten hundert Jahre zugänglich, kann benutzt und gewürdigt werden.

Mehr zu den Nutzern
Die Bibliothek ist öffentlich und für Jedermann nutzbar. Für die anthroposophisch interessierte Leserschaft ist sie eine wichtige Anlaufstelle, um anthroposophische Werke zu studieren, sie auszuleihen und um sich mit den zahlreichen Neuerscheinungen (darunter auch Kleinstauflagen) bekannt zu machen. Nicht alle sind in der finanziellen Situation, sich jedes gewünschte Buch zu kaufen, und städtische Bibliotheken bieten längst nicht alle anthroposophischen Titel. Die verlängerten Öffnungszeiten jeden Mittwoch erlauben Gästen des Rudolf Steiner Hauses eine optimale Kombination aus Besuch von Abendvortrag und Bibliothek. Die Fernleihe und der Scanservice stellen auch für Auswärtig optimale Nutzungsbedingungen her.
Auch befindet sich die Bibliothek in unmittelbarer Nachbarschaft zur Freien Hochschule Stuttgart, Seminar für Waldorfpädagogik und anderen anthroposophischen Ausbildungseinrichtungen. So steht allen Studierenden der wohl umfangreichsten Ansammlung anthroposophischer Ausbildungsstätten in Deutschland mit dieser Bibliothek eine umfassende Sammlung anthroposophischer Sekundärliteratur zur Verfügung. Diese ergänzt den Bestand der einzelnen Ausbildungsstätten oder ersetzt ihn sogar. Quer über alle Nutzergruppen hinweg gewürdigt wird die überaus kompetente Beratung durch Dr. Jörg Ewertowski und seine Mitarbeiterinnen.

Gedanken zur Subventionierung und Zukunft
Jeder, der sich darauf besinnt, wieviel er dem Medium Buch bei seiner eigenen anthroposophischen Bildung und Entwicklung verdankt, wird den Wert und die Unverzichtbarkeit von Bibliotheken bestätigen können. Eine Bibliothek ist eine Institution der Bildung und insofern stets auf Subvention angewiesen. Schwerwiegende finanzielle Entscheidungen, die an die Substanz und die Existenz einer solchen Einrichtung rühren, dürfen nicht aus oberflächlicher Einschätzung getroffen werden. Vielmehr gilt es umgekehrt, spezifische Projekte an die Bibliothek anzubinden und dadurch ihre Vitalität auch für die Zukunft zu erhalten. Bloße Kürzungen sind keine Einsparungen, sondern führen zumeist in die Spirale immer reduzierterer Möglichkeiten und stellen häufig erst dadurch mit der Zeit die Existenz einer Einrichtung ernsthaft in Frage.
Und wie sollte die Zentralbibliothek der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland künftig noch Fördermittel einwerben können, wenn die AGiD selbst ihr Desinteresse an dieser Einrichtung durch Ausstieg aus der Finanzierung bekundet?

Ist die Zukunft nicht sowieso digital? Sind Bücher und Bibliotheken nicht ein Auslaufmodell?
Keineswegs! Stuttgarter kennen nicht nur die Großbaustelle am Hauptbahnhof, unweit davon wächst auch der Neubau der Württembergischen Landesbibliothek empor. Die Stuttgarter Stadtbibliothek besitzt sowohl einen architektonisch gefeierten Neubau, als auch steigende Nutzerzahlen. Weltweit entstehen Bibliotheksneubauten.
Digitale Medien ergänzen das Buch, ersetzen können sie es nicht. Es besteht dringender Nachholbedarf in Bezug auf Medienreflexion, mit der man einem gedankenlosen Kurzschluss digital=modern begegnen könnte. Dieser Kurzschluss hat sich (trotz einer Fülle an Ergebnissen zur Problematik einer unkritischen Digitalisierung von Bildung) fatalerweise gerade in den Köpfen deutscher Bildungspolitiker beharrlich festgesetzt. Wenn der Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland – in auffallendem Kontrast zu der von ihm gestützten Waldorfbewegung – gegenwärtig genau solchen Ansichten zuneigen sollte, wäre das einer kritischen Diskussion würdig.

Download:
Unterstuetzerschreiben Bibliothek
Antrag Weiterfinanzierung Zentralbibliothek
(Der Antrag wurde aufgrund der Einigung zurückgezogen)